Bergbau am Niederrhein und im Münsterland

Bergbau am Niederrhein

Im Norden, Nordwesten und Nordosten wird heute weit jenseits der Grenzen des >klassischen< Ruhrreviers Steinkohle abgebaut. Am Niederrhein und in südlichen Münsterland liegen die Flöze sehr tief und die Zechen relativ weit auseinander. Manche der Bergwerke lassen sich bis ins 19. Jh. zurückverfolgen. Mehrere Zechen sind bereits wieder stillgelegt. An anderer Stelle werden auch heute noch Tiefbauschächte abgeteuft. Moderne Fördergerüste zur Seilfahrt, Bewetterung und Wasserhaltung stehen im Münsterland bereits auf dem Gemeindegebiet von Groß-Reken oder Ascheberg. Als bislang tiefster Schacht des Ruhrbergbaus erreichte Haus Aden 6 bei Werne an der Lippe 1981 eine Teufe von 1 388 m. Der Kohlenabbau unter dem Münsterland stieß in manchen Bevölkerungskreisen allerdings auch auf Unmut. Als z. B. 1988 unter dem Cappenberger Wald mit der Erschließung von ergiebigen Kohlevorkommen begonnen wurde, formierte sich Widerstand aus der Bevölkerung heraus. Man fürchtete um die Unversehrtheit der Erholungslandschaft sowie um die Standsicherheit des berühmten Bauensembles von Schloss und Kirche Cappenberg.

Bis jetzt hat der Kohlenbergbau die Randzonen des Ruhrreviers noch nicht in eine Industrielandschaft verwandelt. So konnten z. B. die Stadtkerne von Moers, Dorsten oder Werne eine urbane Geschlossenheit bewahren, wie sie im Ruhrgebiet kaum noch zu finden ist. Reviertypisch ist allerdings das direkte Umfeld der älteren Zechen am Niederrhein und im Münsterland: Kolonien, Gartenstädte, >wild< gewachsene Versorgungszentren. Im folgenden beschränkt sich der Text im Wesentlichen auf die Bergwerksarchitektur in den Grenzbereichen des Ruhrgebiets. Kirchen, Schlösser und Museen wurden bewusst ausgespart, da sie zum Themenbereich von »klassischem Kunst-Reiseführern über die niederrheinische Kulturlandschaft bzw. das Münsterland gehören.

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Bergbau am Niederrhein

In Moers-Hochstraß verdient die Schachtanlage Rheinpreußen 4 an der Franz-Haniel-Straße besondere Aufmerksamkeit. Nach Einstellung der Förderung wurde das Areal in den 1990er-Jahren zum Gewerbegebiet umgenutzt. Dabei bezog man die qualitätvollen historistischen Zechenbauten aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jh. ein. Sie werden von einem monumentalen Doppelbock-Fördergerüst in Gitterträger-Bauweise überragt, dem einzigen Beispiel dieses Bautyps, das aus dem Kohlenbergbau des rheinischen Ruhrreviers bis heute erhalten geblieben ist. Im benachbarten Maschinenhaus blieb eine Elektro-Fördermaschine von 1905/06 erhalten, deren Seiltrommel 1949/50 durch eine Treibscheibe nach dem Koepe-Prinzip ersetzt worden war (s. Skizze S. 166). Das Fördermaschinenhaus kann nach Absprache besichtigt werden (Tel. 0 28 41/2 80 94). Die Pattberg- Schächte im Norden von Moers-Repelen wurden 1993 stillgelegt. Das Fördermaschinenhaus von Schacht 1 (mit einer Elektro-Fördermaschine von 1912) wird unter der Obhut der Stiftung Industriedenkmaipflege und Geschichtskultur erhalten bleiben. Die Pattberg- Halde ist als Aussichtspunkt in die Route der Industriekultur integriert worden.

In Kamp-Lintfort gehören drei Schachtanlagen zum > Verbundbergwerk Weste Gefördert wird auf Friedrich Heinrich 1/2 im Stadtteil Lintfort. Über Schacht 2 steht hier ein Deutsches Strebengerüst in Gitterträger-Bauweise von ca. 1912, über Schacht 1 ein wuchtiger Stahlbeton-Förderturm. Entlang der Friedrich-Heinrich-Allee beeindruckt eine Abfolge breit gelagerter Industriehallen von ca. 1910. Die Schächte Friedrich Heinrich 3 (südöstlich der Hauptschachtanlage) und Rossenray 1 (zwischen Kamp-Lintfort und Rheinberg) dienen heute zur Bewetterung. Der Förderturm von Rossenray 1 besitzt die Form eines umgestülpten Kreuzes, in dessen ausladendem >Querbal- ken< ursprünglich die Kohlensieberei untergebracht werden sollte. Im Rahmen der IBA wurde der gigantische Turm, der 75 m hoch aufragt, in das Ensemble der Landmarken des >Emscher-Parks< einbezogen und markiert dort als >Westpol< den Eingang vom Niederrhein ins nördliche Ruhrgebiet. Eine Lichtinszenierung, die der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball entworfen hat, unterstreicht bei Dunkelheit die architektonische und topografische Signifikanz des kubischen Bauwerks: Zwei gelbe Lichtbänder, die entlang der Kanten des Turms verlaufen, verlängern die prägnante vertikale Fluchtung der Architektur in den Luftraum hinein.

Schließlich ist für den linken Niederrhein noch das Salzbergwerk Borth auf dem Stadtgebiet von Rheinberg zu erwähnen. Die beiden Schächte haben eine Teufe von 850 m und durchstoßen auch drei abbauwürdige Kohlenflöze; die Kohlenförderung ist allerdings bereits 1926 eingestellt worden. Die Tagesanlagen ähneln durchaus den Tagesbauten von Kohlenzechen. Über Schacht 1 steht ein moderner kubischer Förderturm; das markante Doppelbock-Fördergerüst Überschacht 2 wurde 2006 abgerissen.

In Dinslaken, dem nordwestlichen Ausfalltor des Ruhrgebiets auf dem rechten Rheinufer begann der Bergbau 1909 mit den Abteufungsarbeiten für die beiden Schächte der Zeche Lohberg 1/2. Die Tagesanlagen des Bergwerks werden heute durch ein monumentales Doppelbockfördergerüst beherrscht, das 1953 nach einem Entwurf von Fritz Schupp über Schacht 2 errichtet wurde. Die Streben laufen hier geradlinig bis zur abschließenden Kranbahn, sodass in etwa ein großes >A< zustande kommt. Im Vergleich zum berühmten >Zollverein-Doppelbock< gilt dieses Fördergerüst als ästhetisch misslungen und blieb im Ruhrbergbau auch Unikat.

Für das südliche Münsterland ist zunächst Hervest-Dorsten zu nennen, wo auf Zeche Fürst Leopold 1/2 die Steinkohlenförderung 2001 zu Ende ging, ln der benachbarten Gartenstadt gibt es einen wohlproportionierten Marktplatz mit Ladengeschäften hinter Laubengängen und einem Torhaus als zentralem Orientierungspunkt. Im nordöstlich gelegenen Dorstener Vorort Wulfen wurde 1967 mit dem Bau einer modernen Wohnstadt für die gleichnamige Zeche begonnen, deren Förderung dann allerdings nicht in der geplanten Weise expandierte und 1981 ganz eingestellt wurde. Auf dem Stadtgebiet von Haltern gibt es lediglich zwei Schächte für die Personen-Seil- fahrt, Materialförderung und Bewetterung. Die unter der Stadt abgebaute Kohle wird in einem unterirdischen Stollen mehrere Kilometer weit bis zum Förderschacht Auguste Victoria 7 nach Marl transportiert und erst dort zu Tage gefördert. Auf diese Weise wird die Halterner Erholungslandschaft – Wälder, Wiesen, ein großer Stausee – geschont.

Selbst im münsterländischen Selm – auf dem Stadtgebiet liegt hier das berühmte Schloss Cappenberg – hat es zu Beginn des 20. Jh. fast zwanzig Jahre lang Steinkohlenförderung gegeben. Auf der Selmer Zeche Hermann, die 1909 in Betrieb ging, waren die Arbeitsbedingungen allerdings – in ca. 1000 m Teufe bei feuchter Hitze – extrem kräftezehrend. Die Belegschaft fluktuierte stark. Hohe Betriebskosten und Absatzschwierigkeiten führten bereits 1926 zur Stilllegung des Bergwerks, was für die Ortschaft eine Massenarbeitslosigkeit von 90% der arbeitsfähigen Bevölkerung nach sich zog. Die Tagesanlagen wurden bereits 1928 weitgehend abgetragen. Dagegen blieb die Werkssiedlung im Süden des Selmer Ortskerns bis heute erhalten.

Weiter östlich, in Werne an der Lippe, förderte die Zeche Werne zwischen 1902 und 1975. Auch hier gibt es noch Bergmannshäuser (Lippestraße). Als Wahrzeichen der lokalen Bergbau-Ära steht das Verwaltungsgebäude des Bergwerks an der Kamener Straße inzwischen unter Denkmalschutz. Nordöstlicher Außenposten der Kohlenförderung des Ruhrreviers war jahrzehntelang noch die Zeche Westfalen in Ahlen, die im Jahr 2000 stillgelegt wurde. Zwei Doppelbock-Gerüste von 1912/13 über den Schächten 3 und 4 sind inzwischen niedergelegt worden. In Ahlen wurden 1910-24 insgesamt 1090 Bergarbeiterwohnungen und 118 Beamtenwohnungen errichtet, zumeist in ansprechend gestalteten Gartenstädten.

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Hamm 3

Eine weitere sehenswerte Dorfkirche liegt in Hamm-Rhynern, im Süden des Stadtgebiets. Das katholische Gotteshaus, das der hl. Regina geweiht ist, stammt in seinen wesentlichen Teilen noch aus der hochromanischen Bauepoche: eine dreischiffige Basilika im gebundenen System mit ausladendem Querhaus und geradem Chorabschluss. Der Glockenturm wird von zwei Galerien mit jeweils drei Schallfenstern durchbrochen. Die beiden östlichen Vierungspfeiler sind mit plastisch gestalteten Kämpferfriesen verziert, die links einen Rollenfries und rechts Palmettenranken und eine liegende Gestalt zeigen. Drei Schlusssteine im Mittelschiffgewölbe tragen ineinander verschlungene Drachen. Der zylindrische Taufstein aus der ersten Hälfte des 13. Jh. endet in einem großgliedrigen Blattfries. Das spätgotische Sakramentshäuschen wird von einer Kreuzigungsgruppe bekrönt. Ein qualitätvoller flandrischer Schnitzaltar mit gemalten Flügeln zeigt in seinen Hauptfeldern Passionsszenen (ca. 1520). Ein vergoldeter Reliquienschrein der Kirchenpatronin, der 1457 vollendet wurde, trägt an den Seiten zwölf Apostelskulpturen, auf den Dachflächen sechs Reliefmedaillons mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Jesu und an den beiden Giebelfronten die Figuren Gottvaters (in päpstlichem Ornat) und der hl. Regina. Die Orgel mit ihrem barocken Prospekt ist 1772 für die Dominikanerkirche in Soest geschaffen worden.

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Hamm – Haus Ermelinghof

Die evangelische Dorfkirche im südwestlich gelegenen Hamm-Pelkum besitzt einen romanischen Glockenturm und einen spätgotischen Chor. Der zweijochige Kirchensaal stammt von 1738. Zwei Schlusssteine im Chorgewölbe zeigen das Haupt Christi sowie eine Szene, in der manche Adam sehen wollen, wie er sich nach dem Sündenfall vor Gott zu verstecken versucht. Weiter nördlich wird Hamm-Herringen von einem imposanten Hammerkopf-Förderturm der Zeche Heinrich Robert (heute: Bergwerk Ost) dominiert. Auch zwei Sakralbauten sind im Ort erwähnenswert. Bei der evangelischen Dorfkirche am Herringer Markt, die ursprünglich den hl. Viktor und Heribert geweiht war, stammt der Turm aus dem 12. Jh. und das Hallenlanghaus aus dem 14. Jh. Die kleine katholische Barockkirche St. Peter und Paul am Kapellenweg in Nordherringen besitzt einen romanischen Taufstein, der mit Weinranken prächtig geschmückt ist und auf vier steinernen Löwen ruht. Im äußersten Südwesten Hamms steht kurz vor der Stadtgrenze die Wasserburg Haus Reck am Huckenhollweg. Das zweigeschossige Herrenhaus aus dem 16. Jh. wurde im 19. Jh. tief greifend erneuert. Ein polygonaler Wehrturm von 1554 findet in einer geschweiften Haube seinen Abschluss.

Der nordwestliche Hammer Vorort Bockum-Hövel geriet im November 1911 in die Schlagzeilen der Weltpresse, als sich auf Zeche Radbod die bis dato schwerste Schlagwetterkatastrophe des deutschen Bergbaus ereignete. 349 Männer kamen zu Tode. Mitleid und Anteilnahme führten überregional zu beeindruckenden Spendenaktionen für die Hinterbliebenen. Aus sozialdemokratischen und Gewerkschaftskreisen wurde erbitterte Kritik an mangelhaften Sicherheitsvorschriften unter Tage laut. Prinz Eitel Friedrich, ein Sohn Kaiser Wilhelms II., reiste eigens von Berlin aus an, um die aufgewühlte Stimmung zu beruhigen. In einer kleinen Grünanlage südlich der Ermelinghof Straße erinnert ein Denkmal an dieses Grubenunglück: Skulpturen eines knienden Bergmanns und einer weinenden Witwe mit Kind.

Östlich von Bockum-Hövel liegt die Wasserburg Haus Ermelinghof in der Nähe der Eisenbahnstrecke Hamm-Münster. Das neugotische Herrenhaus entstand 1875 nach einem Brand eines Vorgängerbaus. Ein stattliches Brauhaus mit Dreistaffelgiebel stammt von 1627, ein Wirtschaftsgebäude aus Fachwerk von ca. 1800. Erwähnenswert sind auch das klassizistisch umgebaute Torhaus sowie die barocke Schlosskapelle St. Bartholomäus. Ein weiteres Wasserschloss hegt südöstlich von Hamm-Heessen an einem Nebenarm der Lippe. Die Tradition von Haus Heessen lässt sich bis zu einem Oberhof zurückverfolgen, der bereits in einer Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 975 erwähnt wird. 500 m entfernt errichteten die Herren von Volmarstein an strategisch günstiger Stelle um 1360 eine Wasserburg. Sie wurde seit der zweiten Hälfte des 15. Jh. verschiedentlich erneuert und baulich erweitert. Die letzte tief greifende Umgestaltung erfolgte 1905-08 im neugotischen Stil, wobei man sich an Vorlagen des 16. Jh. orientierte. Prägendes Element dieser Bauphase sind prächtige Schaugiebel mit Fialenschmuck.

Abschließend soll noch die Zeche Sachsen erwähnt werden, die nördlich der Bahnlinie Hamm-Bielefeld in der Nähe des Heessener Bahnhofs hegt. Von den herausragenden Tagesbauten, die der Essener Architekt Alfred Fischer für dieses Bergwerk entwarf, überdauerte nur eine breit gelagerte Maschinenhalle von 1914 das Ende der Kohlenförderung. Der pompöse Treppenaufgang an der Eingangsfassade des frühmodernen Baudenkmals lässt an Vorbilder aus der griechischen Tempelarchitektur denken. Im Innern verleiht der offene, spitzgiebelig zulaufende Dachstuhl der Halle eine sakrale Anmutung. Heute dient das Bauwerk als Messehalle des Ökozentrums NRW.

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Hamm 2

Die Vororte

Trotz eingestreuter Zechen, Kolonien und Kraftwerke wirkt das Hammer Umland, das 1974 weiträumig der Stadt zugeschlagen wurde, noch heute zumeist bäuerlich-ländlich. Da gibt es stattliche Bauernhöfe, qualitätvolle Wasserschlösser sowie mehrere mittelalterliche Dorfkirchen, die mancherorts noch von einem Kranz von Fachwerkhäusern umgeben sind.

Die bedeutendste dieser Kirchen liegt in Hamm-Mark, östlich des Stadtzentrums: Aufgrund ihrer Ausmalung zählt dieses Gotteshaus, das dem hl. Pankratius geweiht wurde, zu den kostbarsten Sakralbauten Westfalens. Das Untergeschoss des Westturms und die Mauern des Langhauses stammen noch vom Beginn des 12. Jh. Querschiff, Chorjoch und Apsis wurden in der ersten Hälfte des 14. Jh. angefügt. Das romanische Langschiff trägt bis zur Vierung eine > sargdeckelförmige < Holzdecke von 1868, der östlich anschließende gotische Bau tief herabgezogene Kreuzrippengewölbe. Die Schlusssteine sind mit hölzernen Scheiben unterlegt, die im Chor Reliefdarstellungen von Gotteslamm und Menschensohn zeigen.

Die Fresken an Wänden und Gewölbe des Chorraums wurden wohl um die Mitte des 14. Jh. gemalt, 1908/09 wieder entdeckt und später verschiedentlich restauriert und ergänzt. Schließlich führte man sie auf den (erschlossenen) Originalzustand zurück. Im Zentrum des Apsisgewölbes erscheint Christus mit Palmzweig und Schwert als Weltenrichter, flankiert von Maria und einem Engel mit Kreuz und Kranz (wohl Dornenkrone). Zwei weitere Engel blasen die Posaunen des Weltgerichts. Die Toten in ihren Gräbern recken bittend die Hände. Auf der linken Gewölbekappe geleitet ein Engel die Seligen ins Himmelshaus. Rechts gegenüber treibt ein anderer Engel die Verdammten in den Höllenschlund, wo sie ein schwarzer Teufel mit gebleckten Zähnen in Empfang nimmt.

Schloss Oberwerries

Schloss Oberwerries – historisches Kleinod

Im Gewölbe des vorgelagerten Chorjochs erscheint Christus ein weiteres Mal in der Mandorla, nun allerdings als Weltenherrscher. Außerdem sind Maria, Johannes Baptista und der hl. Martin zu sehen. Auf die Wände des Chorraums sind zahlreiche Heiligengestalten gemalt. Unter dem mittleren Chorfenster wird gezeigt, wie ein Jüngling einem Bettler ein Almosen zustecken will. Er wird zu dieser guten Tat von einem Engel aufgefordert, während ein Teufel ihn zu hindern versucht. Als Besonderheit sind noch die mittelalterlichen Kritzeleien auf der Chorwand hinter dem Altar zu vermerken: Meditationen über das Sanctus und Agnus Dei der hl. Messe, eine Totenklage auf den 1227 feige erschlagenen Edelherrn Bernhard von Horstmar und ein abstruses Rezept gegen Haarausfall. Vom Triumphbogen aus beherrscht ein überlebensgroßes Kruzifix aus dem 15. Jh. den Iürchenraum. Der derbe spätgotische Schnitzaltar, dessen Flügel verloren gingen, stammt aus dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Kentrop, das zwischen Hamm und Mark lag. Ältestes Kunstwerk der Pankratiuskirche ist ein romanischer Taufstein aus der Mitte des 13. Jh. Er wurde aus Baumberger Sandstein gearbeitet und ist mit umlaufenden Blendarkaden und einem Weinrankenfries dekoriert.

Nördlich von Mark wurden seit 1826 die traditionsreichen Kuranlagen von Bad Hamm errichtet. Der Theatersaal im heutigen Kurhauskomplex stammt von 1867. Einen besonderen Auftrieb bekamen das Erholungs- und Vergnügungszentrum um 1880 durch die Entdeckung einer Solequelle. Ca. 20 Jahre später wurde das Kurhaus in repräsentativ-historisierenden Stilformen erneuert. Es zählt – wenngleich später mehrfach erweitert – zu den ältesten Veranstaltungszentren des Ruhrgebiets. Weiter östlich, in Hamm-Wernes, verwandelte man das Gelände der stillgelegten Zeche Maximilian 1984 in eine nordrhein-westfälische Landesgartenschau. Dabei wurden mehrere ehemalige Zechenbauten einbezogen und erhielten eine neue Nutzung. Der Architekt Horst Reilecke formte aus der Kohlenwäsche von 1914 durch gläserne An- und Aufbauten den »größten Elefanten der Welt«. Nach dem Verständnis des Künstlers wurde der frühe Zweckbau aus Beton durch diese Verfremdung zu einem >Antimonument< gegen die allgemeine Eintönigkeit, zu einem > Spielzeug für alle<.

Nördlich von Werries liegt das Wasserschloss Oberwerries jenseits der Lippe. Beim Torhaus, dem ältesten Teil des Bauensembles, bezeichnen Maueranker das Jahr 1667 als Baudatum. Das barocke Herrenhaus besteht aus einem wuchtigen Hauptflügel mit Walmdach, einem niedrigen Südflügel und einem Pavillonturm mit Glockendach (Architekt: Ambrosius von Oelde, 1685-92). Der lang gesteckte Marstall mit kleinem Hundestall am Ostende ist ein Werk von Johann Conrad Schlaun (1730-35). – Beim Wasserschloss Uentrop im gleich-namigen Hammer Vorort stammt das Herrenhaus, das noch bewohnt wird, von 1713-20.

Einer legendenhaften Überlieferung nach gilt die evangelische Kirche in Hamm-Uentrop als Stiftung zweier Edeldamen, Reimod und deren Tochter Vrederuna. Als Consecrator des Gotteshauses wird der Bischof Sigifried von Münster (1022-52) genannt. Nach kunsthistorischen Maßstäben lässt sich der Glockenturm ins 11./12. Jh. datieren. Das flachgedeckte Langhaus und der gewölbte Chor dürften ca. 400 Jahre jünger sein. An verschiedenen Stellen des Kirchenraums blieben wertvolle Wandmalereien erhalten. Im Turm stellt ein Fresko an der Nordwand (gegenüber dem Eingang) die Hochzeit zu Kana dar. An der Westwand wird die >eherne Schlange< aus dem Alten Testament mit der Kreuzigung Christi konfrontiert. Im Schiff zeigen weitere Wandgemälde die Apostel sowie eine Landschaftsdarstellung mit Ritterburg. Im spätgotischen Chor konnten zwei Freskoschichten übereinander nachgewiesen werden. Im Gewölbe wurde von der unteren, spätgotischen Schicht lediglich der Kopf eines der Hl. Drei Könige freigelegt und ansonsten die nachmittelalterliche Ausmalung mit Szenen aus der Schöpfungsgeschichte belassen: Sturz der gefallenen Engel, Erschaffung der Tiere, Erschaffung der Eva aus der Rippe Adams, der erste Sündenfall im Paradies. Wertvollstes Stück der Kirchenausstattung ist der Taufstein aus dem 13. Jh. Er zeigt einen reich profilierten Blattfries sowie die Gestalt eines Ritters unter einer kleeblattförmigen Arkade.

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Hamm

Die Stadt verdankt ihre Entstehung den Folgen eines Attentats: Nachdem Graf Friedrich von Isenberg 1225 den Erzbischof Engelbert von Köln ermordet hatte, verfiel er der Reichsacht. Im Zuge einer Racheaktion wurde seine Stadt Nienbrügge am Nordufer der Lippe zerstört. Graf Adolf von der Mark machte sich den Sturz des Isenbergers zunutze und versuchte, sich dessen Territorium möglichst weitgehend anzueignen. Von der nahe gelegenen Burg Mark aus – dem Verwaltungsmittelpunkt, der seiner Grafschaft den Namen gegeben hatte – gründete er 1226 an strategisch günstiger Stelle im Mündungswinkel zwischen Lippe und Ahse eine neue Stadt. Dort wurden die obdachlosen Einwohner von Nienbrügge angesiedelt. Der Name >Ham[m]< (=Landzunge) taucht erstmals auf einer Münze Adolfs auf, die spätestens in das Jahr 1235 zu datieren ist.

Der Stadtgrundriss von Hamm wurde planmäßig angelegt, das Bauland gleichmäßig parzelliert. Am Kreuzungspunkt der beiden Hauptstraßen sparte man Raum für Markt und Kirche aus. Ein Stadtsiegel lässt sich für 1263 nachweisen, eine Stadtbefestigung für 1290, der Anschluss Hamms an das frühe Fernstraßennetz dann für 1297. Der Wohlstand der Stadt basierte in den folgenden Jahrhunderten vorwiegend auf Handel, Tuchweberei, Brauerei und Branntweinherstellung. 1417 trat Hamm der Hanse bei. 1657 bestand nachweislich ein Gymnasium.

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Hammer Innenstadt von oben

Stärker noch als der Bergbau hat der Massenverkehr die neuere Geschichte der Stadt geprägt. Bereits im frühen 19. Jh. war Hamm ein wichtiger Umschlagplatz für die Lippeschifffahrt. Heute besteht über den Datteln-Hamm-Kanal Anschluss an das westdeutsche Kanalnetz. Entscheidend aber wurde, dass Hamm sich zum bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkt des östlichen Ruhrgebiets entwickeln konnte. Von der Magistrale Paris-Köln-Dortmund-Hannover-Berlin zweigen hier Hauptstrecken in Richtung Münster-Emden, Hagen-Wuppertal und Soest-Kassel ab. Der Hammer Rangierbahnhof galt lange als der größte und leistungsfähigste des gesamten Ruhrreviers. Auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters bewältigte er in den 1930er-Jahren bis zu 9500 Waggons täglich und formierte mehr als 400 Güterzüge. Der Personenbahnhof war wichtiger Umsteigeknotenpunkt, auch für internationale Expresszüge.

Die günstigen Verkehrsverbindungen gaben auch den Ausschlag dafür, dass Hamm (und nicht etwa die Provinzhauptstadt Münster) 1879 zum Sitz des Oberlandesgerichts für ganz Westfalen sowie für den Landgerichtsbezirk Essen bestimmt wurde. Die explosionsartige Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet machte das Hammer Oberlandesgericht zeitweilig (nach dem Kammergericht Berlin) zum zweitgrößten im preußischen Staat. Das Stadtgebiet von Hamm erhielt erst durch großzügige Eingemeindungen im Jahr 1975 seine heutige Ausdehnung. Gegenwärtig leben hier ca. 181 000 Menschen.

Das Stadtzentrum

Infolge von fünf großen Brandkatastrophen im vorindustriellen Zeitalter und verheerenden Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg besitzt die Hammer Innenstadt heute ein uneinheitliches Erscheinungsbild. Vereinzelt gibt es noch Wohnhäuser aus dem 18. Jh. und halbe Straßenzüge (auch mit Fachwerkbauten) aus der ersten Hälfte des 19. Jh. In Bahnhofsnähe blieben repräsentative Geschäftshäuser aus der Gründerzeit erhalten. Im Bereich der seit langem geschleiften Stadtbefestigung fallen zwei wuchtige Bunker auf, die 1200 Menschen Schutz vor Fliegerangriffen boten. Die Ahse, die früher die Stadt Hamm umflossen und bei Hochwasser überflutet hatte, wurde zu Anfang des 20. Jh. in ein neues, weiter östlich verlaufendes Flussbett verlegt.

Die Hauptkirche Hamms war ursprünglich dem hl. Laurentius und dem hl. Georg geweiht. Das – seit der Reformation evangelische – Gotteshaus wurde 1912 in Pauluskirche umbenannt. Die dreischiffige westfälische Hallenkirche mit weit ausladendem Querhaus und zur Hälfte eingebautem Westturm entstand im Wesentlichen in der ersten Hälfte des 14. Jh., wurde aber später mehrfach repariert bzw. erneuert. Das Querschiff umfasst vermutlich noch Mauerwerk eines (unvollendet gebliebenen?) Ursprungsbaus aus der Zeit der Hammer Stadtgründung. Die frühgotische 742-Apsis, die dem Chor der Marburger Elisabethkirche ähnelt, stammt wohl bereits aus dem letzten Viertel des 13. Jh. Das Mittelschiffgewölbe wurde nach dem Stadtbrand von 1741 erneuert und dabei um ca. einen Meter heruntergezogen. Eine durchgreifende Restaurierung der Kirche fand 1893-95 statt. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Bauwerk schließlich sein heutiges Aussehen. Beherrschendes Element des schlichten Innenraums sind massige Rundpfeiler. Die mittelalterliche Ausstattung ist während der Reformationszeit aus der Kirche entfernt worden. An Kunstwerken sind lediglich noch drei Epitaphien aus dem 17. und 18. Jh. vorhanden.

Das zweite mittelalterliche Gotteshaus der Innenstadt, die katholische Pfarrkirche St. Agnes an der Brüderstraße, diente bis 1824 als Klosterkirche des Franziskanerordens, den Graf Gerhard von der Mark 1455 nach Hamm geholt hatte. Der 1515 geweihte spätgotische Sakralbau besaß ursprünglich nur zwei Langschiffe und wurde erst im 17. Jh. zu einer dreischiffigen Hallenkirche ausgebaut. Die Vorschriften des Bettelordens gestatteten keinen Glockenturm, sondern lediglich einen schlanken Dachreiter. 1944 brannte die Kirche bis auf die Umfassungsmauern aus und wurde 1947-53 im Wesentlichen in der alten Form wieder errichtet. Im südlichen Seitenschiff sind drei Grabplatten aus dem 17. und 18. Jh. aufgestellt. Der Kirchenschatz umfasst u. a. einen kleinen messingvergoldeten Reliquienschrein aus der Zeit um 1600 sowie eine barocke Sonnenmonstranz. Als dritte Hammer Kirche (und zweite evangelische Kirche der Stadt) entstand die Luther-Kirche 1734-39 nach Plänen des Architekten Johann Michael Möser. Die Emporenkirche an der Martin-Luther-Straße zeigt noch deutliche Anklänge an die spätgotische Formensprache. Den hölzerne Kanzelaltar, der von einem kronenartig gestalteten Schalldeckel überdacht wird, schuf der Hammer Schreinermeister Christoph Dörendahl.

Am Südwestrand der Hammer Innenstadt konnte 1993 der (bislang) letzte große Museumsneubau des Ruhrgebiets eröffnet werden. Der Entwurf der beiden dänischen Architekten Jorgen Bo und Vilhelm Wohlert stammte allerdings bereits von 1986. Mit seiner zur Bahnhofstraße hin geschwungenen Fassade ähnelt der Baukomplex einem riesigen Konzertflügel. Die museale Sammlungstradition hatte 1886 mit dem Ankauf einer ägyptischen Mumie begonnen. 1917 schenkte der Kunstsammler Gustav Lübcke, der aus Hamm stammte, seiner Vaterstadt eine Kollektion von atemberaubender Vielfalt: Funde aus der Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, altägyptische Grabfunde, griechische Vasen, römische Keramik, fränkische Glaswaren, gotische Madonnen, neuzeitliches Mobiliar und Kunstgewerbe … Noch heute heißt das Haus, das mittlerweile u. a. auch über eine Sammlung moderner westfälischer Malerei verfügt, Gustav-Lübcke-Museum.

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Lünen 3

Kamen

Die kleine Stadt an dem Flüsschen Seseke ist heute vor allem auf Grund des benachbarten, stark staugefährdeten Autobahnkreuzes überregional bekannt. Kurios mutet daher an, dass der Name >Kamen< womöglich vom keltisch-germanischen Wort >camina< (=Straße, Weg; vergl. französ. >chemin<) herzuleiten ist. Ein sicherer Weg über die sumpfige, noch bis in die 1920er-Jahre hinein oft überflutete Flussniederung war sicherlich ein maßgeblicher Siedlungsanreiz. Die Ortschaft entwickelte sich im Schatten einer Burg, von der heute allerdings keine baulichen Reste mehr vorhanden sind. Urkundlich erwähnt wurde der Ortsname erstmals in einem Heberegister der Abtei Werden von ca. 1150. Stadtrechtsverleihung und Stadtbefestigung sind für die Mitte des 13. Jh. zu erschließen. Ein kurzes Stück Stadtmauer blieb am Südostrand der Innenstadt erhalten (Straße: Ostenmauer). Das älteste erhaltene Stadtsiegel stammt von 1284. Kamen war auch Mitglied der Hanse. Die Stadt zählt heute rund 48 000 Einwohner.

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Ein wesentlicher Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung der Region wurde die Köln-Mindener-Bahnlinie, die 1847 in Betrieb ging. Ein Jahr zuvor war die Fünfbogenbrücke über die Seseke aufgemauert worden, die zu den ältesten erhaltenen Eisenbahnbrücken in Deutschland zählt (in der Nähe der Henry-David-Strafle). Das spätklassizistische Empfangsgebäude des Kamener Personenbahnhofs folgte wenige Jahre später. Es soll nach einem Musterbuch Karl Friedrich Schinkels entworfen worden sein. An den Bergbau, der Kamen in den 1870er-Jahren erreichte, erinnert westlich der Innenstadt noch ein Fördergerüst von Schacht Grillo 1 der Zeche Monopol.

Der mächtige, grüne Sandsteinturm der evangelischen Pauluskirche im Stadtzentrum, die im Mittelalter dem hl Severin geweiht war, wurde um 1250 unter dem Einfluss des Paderborner Domturms für einen romanischen Vorgängerbau errichtet. Der schiefe Turmhelm – heute das Wahrzeichen Kamens – entstand 200 Jahre später. Er ist bewusst gegen die Hauptwindrichtung, also nach Südwesten, geneigt gebaut worden. Außen trägt er eine kleine Glocke, die auf Grund ihrer exponierten Anbringung den Metallkonfiskationen der beiden Weltkriege nicht zum Opfer fiel. Das heutige Langhaus mit eingezogenem 5/8-Chor entstand 1844-49 nach Plänen von Friedrich Wilhelm Bucholtz als schlichter klassizistischer Kirchensaal. Die Flachdecke wurde 1897 erneuert, ihr Holzbalkenmosaik bei der letzten Renovierung wieder freigelegt.

Mit der evangelischen Margaretenkirche im alten Dorf Methler besitzt Kamen ein Baudenkmal von hohem künstlerischem Rang. Die spätromanische Hallenkirche aus grünem Sandstein stammt aus der Mitte des 13. Jh., ihr Glockenturm noch von einem Vorgängerbau des 12. Jh. Der Kirchenraum ist breiter als lang angelegt. Die Kapitelle der vielgliedrigen Pfeiler sind mit Blattmotiven und Fabeltieren ungewöhnlich reich geschmückt. Die bereits 1851 entdeckten Wand- und Gewölbemalereien aus der Entstehungszeit der Kirche erlitten durch unsachgemäße Restaurierung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. gewichtige Einbußen an Originalsubstanz. Gleich zweimal vertreten ist hier Christus in der Mandorla. Im Chorgewölbe umgeben ihn Engel und Heilige, in der südlichen Nebenapsis die vier Evangelistensymbole. Auf die Chorwände sind Standfiguren aufgemalt: in der unteren Reihen die Zwölf Apostel – Paulus ersetzt Judas -, darüber Heilige sowie eine Verkündigungsszene. Die ornamentale Ausmalung der Langhausgewölbe nimmt in ihrer Motivik auf die Architektur Bezug.

An älterer Ausstattung birgt die Kirche eine spätgotische Sakramentsnische (1. H. 15. Jh.) und eine prachtvoll geschnitzte Barock- Kanzel (Werkstatt Johann Sasse, 1701) sowie Skulpturen des Apostels Johannes (um 1250), der hl. Margareta (Anfang 14. Jh.) und der Muttergottes (Anfang 15. Jh.). In der Turmhalle erinnern hölzerne Gedächtnistafeln an Kriegstote von 1815 (Schlacht von Belle Alliance), 1866 und 1870/71. Eine weitere, kleine Tafel ehrt den Pionier Heinrich Grundmann aus Weddinghofen, der 1904 bei der Niederschlagung des Aufstands der Herero in der ehemals deutschen Kolonie Südwestafrika ums Leben kam. Weitere Kriegerdenkmäler sowie ein Luther-Gedenkstein befinden sich vor der Kirche, die an drei Seiten noch von idyllischen Fachwerkhäusern umgeben ist.

Bönen

Die ländlich geprägte Gemeinde mit ca. 19 000 Einwohnern wurde 1968 aus mehreren Dörfern zusammengeschlossen, nachdem Bönen und Altenbögge bereits 1951 vereinigt worden waren. Kurz vor 1900 hatte der Bergbau hier Einzug gehalten, als die Zeche Königsborn in der Nähe der Bahnlinie Unna-Hamm mit den Abteufungsarbeiten für ihre Schachtanlage 3/4 begann. Von den Tagesanlagen blieb der Förderturm von Schacht 4 bis heute erhalten. Der markante, steile Kubus, den der Industriearchitekt Alfred Fischer in den 1920er-Jahren entworfen hat, wird heute als >Landmarke< am Ostrand des Ruhrgebiets durch eine Lichtinszenierung des Düsseldorfer Künstlers Mischa Kuball in seiner topografischen Signifikanz weithin sichtbar akzentuiert.

Bönen wurde bereits im Jahr 834 erstmals urkundlich erwähnt. Die evangelische Kirche im Ortszentrum (nach einem Plan von Friedrich Wilhelm Bucholtz, 1846) besitzt vom romanischen Vorgängerbau noch einen relativ aufwendig gegliederten Glockenturm, bei dem ein Vorbau im Westen an die Verwendung als Wehrturm durch die Ritter von Boinen erinnert. Im Ortsteil Fliedrich steht eine kleine romanische Saalkirche aus dem 12. Jh., die zu Beginn des 16. Jh. spätgotisch eingewölbt wurde. Am Kirchplatz blieb hier eine Gruppe schöner Fachwerkhäuser erhalten.

Eine Windmühle an der Bahnhofstraße wurde 1969 zum Kulturzentrum Bönens ausgebaut und beherbergt seither das Büro der Volkshochschule, eine Bibliothek sowie einen Raum für Kunstausstellungen und Kammerkonzerte.

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Lünen 2

In der Lünener Innenstadt überdauerte nur eine geringe Zahl von Bürgerhäusern aus dem 17. und 18. Jh. die häufigen Stadtbrände. An Roggenmarkt und Silberstraße überstanden einige Fachwerkhäuser der >kleinen Leute< auch die Stadterneuerung der Wirtschaftswunderjahre, die der Kommune u. a. ein überdimensioniertes Hochhaus als neues Rathaus bescherte (1955-60). Deutlich besser gelungen ist da schon ein Schulgebäude in Pavillonbauweise an der Holtgreven- straße, das von Hans Scharoun entworfen wurde (1956-62). Im Foyer des Heinz-Hilpert-Theaters an der Kurt-Schumacher-Straße (Architekt: Gerhard Graubner, 1957-59) steht eine 2,50 m hohe Orpheus-Figur von Gerhard Mareks. Der bekannte Sänger aus der griechischen Mythologie hält hier eine Violine in der linken Hand.

Von den Lünener Adelssitzen existieren in zwei Fällen nur noch Nebengebäude: von Haus Buddenberg bei Lippoltshausen die Schlossmühle, von Haus Oberfelde bei Niederaden der >Spieker<, ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Mansarddach und offener Dachlaterne. Bei der mittelalterlichen Wasserburg Schwansbell in der Nähe von Horstmar wurde 1872-75 anstelle des Haupthauses ein Schlossgebäude im Turdorstil errichtet, das an der Nordseite von zwei zinnengekrönten Sechsecktürmen flankiert wird. Das lang gestreckte Ökonomiegebäude von 1853 birgt seit 1983 die Dauerausstellung des städtischen Museums: geologische Funde, landwirtschaftliches Arbeitsgerät, gusseiserne Öfen, Keramik, Steinzeug, Puppen und Puppenküchen, großbürgerliche und proletarische Wohnkultur …

kaiser-karls-park-bad-lippspringe

Eine Ecke des Kaiser-Karls-Park, Bad Lippspringe

Die Jahrzehnte der Steinkohlenförderung sind auf Lünener Stadtgebiet u. a. durch gravierende Bergsenkungen dokumentiert: In manchen Gegenden liegt der Wasserspiegel des Datteln-Hamm-Kanals mehrere Meter höher als das angrenzende Gelände, das dort durch massive Dämme vor Überflutung geschützt werden muss. Im Seepark Lünen, der 1996 als Landesgartenschau angelegt wurde, wird das Problem der Bergsenkungen durch einen >schwarzen Riss< künstlerisch akzentuiert. Aus dem Bereich der Lünener Zechenarchitektur sollen zwei Baudenkmäler genannt werden: Entlang der Preußen-Straße in Lünen-Horstmar blieben qualitätvolle Reste der Tagesanlagen des Bergwerks Preußen 1/2 erhalten: zinnengekrönte Ziegelfassaden im Tudorstil. Im Nordosten von Brambauer wurde ein Hallen-Ensemble der Zeche Minister Achenbach zum Technologiezentrum LÜNTEC umgebaut. Dabei postierte der >Star-Designer< Luigi Colani ein >Ufo< auf das Fördergerüst von Schacht 4: das Colani-Ei.

Das Erscheinungsbild der meisten Lünener Vororte wird auch heute noch weitgehend durch Bergmannssiedlungen geprägt. In Lünen-Süd stammen die schlichten Koloniehäuser an der Ziethenstraße noch aus dem 19. Jh. Im selben Stadtteil erhielt die Zentralsiedlung von 1920-22 im Volksmund den Namen >Negerdorf<, da die Anordnung von Häusern zu einem ausgreifenden Halbrund an einen Kral denken lässt. Der Hauptzugang erfolgt hier – wie bei der Essener Margarethenhöhe – durch ein repräsentativ gestaltetes Torhaus. In Lünen-Brambauer unterhält ein Förderverein ein Bergarbeiterwohnmuseum in einem Koloniehaus an der Rudolfstraße.

Bergkamen

Noch im 19. Jh. lag das kleine Dorf inmitten einer öden Heidegegend. Erst mit dem Beginn der Steinkohlenförderung setzte gegen Ende des 19. Jh. der wirtschaftliche Aufschwung ein. Die Einwohnerzahl ver-vielfachte sich von 698 (1890) auf 2 285 (1900), 5 210 (1910), 14 480 (1965). Nach der Eingemeindung mehrere Dörfer erfolgte 1976 die Stadtrechtsverleihung. Heute zählt Bergkamen mehr als 52 000 Einwohner. Auch auf Grund größerer Bombenschäden ist das Stadtbild inzwischen vorwiegend durch Neubauten geprägt. Der Versuch, die Zeche Neu Monopol durch ein neues Stadtviertel mit modernem Rathaus und Citycenter stärker an den alten Ortskern anzubinden, verdient durchaus Anerkennung. Im Rahmen der IBA wurde die Stadtmitte Bergkamen weiter aufgewertet, u. a. durch eine bauliche Fassung des Marktplatzbereichs und durch das Wohnungsbauprojekt >Frauen planen und bauern.

Als die Zeche Neu-Monopol im August 1981 die Förderung aufnahm, wurde sie einhellig als >Denkmal für die Zukunft der Kohle< gefeiert. Immerhin war im Ruhrgebiet seit fast zwei Jahrzehnten keine neue Zeche mehr in Betrieb gegangen. In den Bau der neuen Anlage waren 1,5 Milliarden DM investiert worden. Als weithin sichtbares Symbol für technischen Fortschritt und Zukunftshoffnungen galt vor allem das moderne Fördergerüst über Schacht Grimberg 2. Das formschöne Bauwerk ist asymmetrisch gestaltet und mit einer Höhe von 71 m angeblich das höchste des gesamten Ruhrgebiets. Als die Förderung auf Neu-Monopol bereits nach gut zwölf Jahren wieder eingestellt wurde, herrschte in Bergkamen »Enttäuschung, Wut, Ratlosigkeit« (FAZ vom 25. 9. 1993). Es kam zu einer Protestwelle im gesamten Revier. Die verringerte Kohlenförderung wurde danach noch 18 Jahre über die Schachtanlage Haus Aden 1/2 in Bergkamen- Oberaden abgewickelt, deren Tagesanlagen 1954 nach Plänen von Fritz Schupp entstanden (spätere Ergänzungen durch andere Archi-tekten). Das monumentale Fördergerüst über Schacht 1 steht in der Nachfolge des Doppelbocks von Zeche Zollverein 12 in Essen. In Bergkamen-Rünthe beherbergt die umgebaute Waschkaue der stillgelegten Schachtanlage Werne 3 u. a. eine Behinderten-Werkstatt und ein Freizeit- und Begegnungszentrum (Straße: Am Schacht). Im Stadtteil Weddinghofen erinnert ein Denkmal an die Opfer eines Grubenunglücks auf der Zeche Grimberg 3/4, bei dem 1946 mehr als 400 Bergleute zu Tode kamen. Bei einer Schlagwetterexplosion schlug damals eine 300 m hohe Stichflamme aus dem Schacht. Wie von einem Katapult geschossen, jagte der Seilfahrtkorb in den Förderturm.

In Oberaden wurde 1906 eines der größten frührömischen Militärlager nördlich der Alpen entdeckt. Die Ergebnisse wiederholter archäologischer Grabungstätigkeit lassen darauf schließen, dass es 11 v. Chr. durch Drusus, einen Stiefsohn des Kaisers Augustus, als Vorposten gegen die Sugambrer errichtet und nach der Zwangsum-siedlung dieses Germanenstamms auf das linke Rheinufer ca. 8 v. Chr. wieder aufgegeben worden war. Die Geschichte dieses Römerlagers ist ein zentrales Ausstellungsthema im Stadtmuseum Bergkamen am Museumsplatz in Oberaden. Weitere Abteilungen behandeln u. a. die jüngere Stadt- und Industriegeschichte (auch die lokale Vereins- und Schulgeschichte).

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Lünen

In seiner 1536 erschienenen Stadtchronik fabulierte der Lünener Pfarrer Georg Spormecker, ein noch heidnisch orientierter Statthalter Karls des Großen habe am Ort die Mondgöttin Luna verehrt, woraus die Namensgebung zu erklären sei. Aus der Perspektive seriöser Forschung muss eine solche Interpretation in das Reich purer Fantasie verwiesen werden. Der Ortsname, der erstmals für das 9. Jh. bezeugt ist, dürfte vielmehr mit einer altniederdeutschen Bezeichnung für >Anhöhe< oder >Schutz< in Verbindung zu bringen sein. Immerhin entwickelte Lünen sich an einer Stelle, wo die Lippe (nahe der Einmündung der Seseke) dicht an einer Anhöhe vorbeifließt. Hier kreuzt von alters her die Femhandelsstraße von Dortmund über Münster nach Bremen und Hamburg das Flusstal und förderte bereits im Mittelalter die Ansiedlung von Handwerkern und Kaufleuten, die u. a. Handelsbeziehungen zu den Hansestädten an Nord- und Ostsee unterhielten. Lünen gehörte zeitweilig auch der Hanse an.

Sankt Marien Kirche, Lünen

Luftbild Sankt Marien Kirche, Lünen

Die strategisch exponierte Lage führte zu Streitigkeiten rivalisierender Fürsten. 1336 verlegte Graf Adolf IV. von der Mark, der Lünen als Pfand des Bischofs von Münster auf Abruf verwaltete, die Ortschaft vom Nord- auf das Südufer der Lippe und siedelte die Bewohner kurzerhand um. Nach Abschluss der Bauarbeiten verlieh der Graf 1341 der neuen Siedlung die Stadtrechte. In den folgenden Jahrhunderten kam es mehrfach zu Überschwemmungs- und Brandkatastrophen. Noch in der zweiten Hälfte des 18. Jh. lebten weniger als 1000 Menschen in Lünen. Mit dem Ausbau der Lippe für den Schiffsverkehr setzte in den 1820er-Jahren ein bescheidener wirtschaftlicher Aufschwung ein. Raseneisenerz aus der Gegend um Lippstadt bildete damals die Rohstoffbasis für die Hochöfen der frühen Lünener Hüttenindustrie. In den 1870er-Jahren wurden südlich der Stadt die ersten Tiefbauschächte abgeteuft. Aufgrund gravierender Wasserhaltungsprobleme konnte die Kohleförderung in der Region erst um 1900 im großen Stil aufgenommen werden. Zweitweilig förderten hier mehrere Schachtanlagen der Zechen Minister Achenbach, Preußen und Victoria. In den 1990er-Jahren wurde der Steinkohlenbergbau in Lünen (heute ca. 90 000 Einwohner) wieder eingestellt.

Im Rahmen der Verlegung der Ortschaft Lünen im 14. Jh. blieb nördlich der Lippe die alte Marienkirche zunächst erhalten. Im Süden errichtete man in der neuen Stadt um 1360 eine weitere, dem hl. Georg geweihte Pfarrkirche. Sie wurde 1512 bei einem Stadtbrand stark beschädigt. Im Reformationszeitalter schloss sich die Gemeinde der neuen Lehre an. Die dreischiffige, dreijochige Halle steht auf einem annähernd quadratischen Grundriss. Chor und Glockenturm sind angefügt. Aus der ersten Hälfte des 16. Jh. blieben Freskofragmente erhalten: eine Weltgerichtsdarstellung im östlichen, der Sündenfall Adams und Evas im mittleren Hauptgewölbe, Apostel und Märtyrerfiguren an den Wänden. Der eindrucksvolle Flügelaltar wird dem Kreis um den Meister von Liesbom zugeordnet und dürfte um 1470 entstanden sein. Bei zugeklappten Flügeln sieht man Maria mit dem Jesuskind und dem hl. Johannes Baptista sowie den Drachenkampf des hl. Georg. Auf der Innenseite sind die beiden Altarflügel jeweils mit vier Szenen aus dem Leben Christi bemalt: Verkündigung, Weihnacht, Anbetung der Drei Könige, Darstellung im Tempel (links); Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten, Jüngstes Gericht (rechts). Die beiden Mitteltafeln zeigen die Kreuzigung (mit eingefügter Kreuztragung) und die Kreuzabnahme mit Grablegung Christi und Erlösung der Büßenden in der Vorhölle – eine Schar skurriler Teufel muss sich geschlagen geben. Im Chorbogen der Kirche hängt ein Kruzifix von ca. 1470, das an den Enden der Kreuzesbalken farbig gefasste Evangelistensymbole zeigt. Um 1500 entstanden das spätgotische Sakramentshaus, der Taufstein sowie zwei Leuchterengel. Der prächtige Orgelprospekt und die Schnitzereien an der Brüstung der Orgelempore stammen aus dem 17. Jh.

Nördlich der Lippe wurde die mittelalterliche Altstadtkirche St. Marien, deren Gemeinde im 16. Jh. katholisch geblieben war, 1894/95 durch eine groß angelegte neugotische Backsteinbasilika mit Querhaus ersetzt (Architekt: Wilhelm Rincldake). Dabei übetrug man mehrere Stücke der alten Ausstattung in den Neubau: Der Taufstein von ca. 1270 ist mit Blatt- und Fruchtmotiven reich verziert. Unter Kleeblattarkaden sieht man außer der Taufe Christi auch fünf Szenen aus der Entstehungsgeschichte der Menschheit: die Vermählung der Stammeltern Adam und Eva durch Gottvater, ihre Verführung durch die Schlange, Vertreibung aus dem Paradies, Kain und Abel bringen Opfer dar, Kain erschlägt Abel. Die >Lünener Madonna< von ca. 1260/70, eine Holzskulptur mit Höhlungen zur Aufbewahrung von Reliquien, wird von alters her als Gnadenbild verehrt. Zwei weitere Marienfiguren stammen ebenfalls noch aus dem 13. Jh. Das fast 4 m hohe Triumphkreuz entstand zu Beginn des 14. Jh.

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Waltrop

Wie häufig bei Ruhrgebietsstädten erfolgte die früheste Namensnennung in der Urkunde eines Kölner Kirchenfürsten: 1032 schenkte Erzbischof Pilgrim der Benediktinerabtei in Deutz bei Köln seine Eigenkirche in Walthorpe, die wie der Kölner Dom den Apostelfürsten Petrus zum Schutzpatron hat. Rund um diese Kirche entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine Krämer- und Handwerkersiedlung. Für 1234 ist ein Freistuhl bezeugt. Vom 15.-18 Jh. hatte Waltrop -1428 wird der Ort als >Freiheit< bezeichnet – mehrfach unter Kriegs-wirren und Pest zu leiden. Der industrielle Aufschwung erfolgte um 1900 durch den den Bau des Dortmund-Ems-Kanals und die Abteufung einer Zeche. 1938 wurde Waltrop zur Stadt erhoben und zählte heute ca. 30 000 Einwohner.

Die katholische Hauptkirche St. Petrus, die im Kern aus dem Mittelalter stammt, wurde im Industriezeitalter erheblich verändert. 1892 fügte der Architekt Hilger Hertel d. J. an das spätgotische Hallenlanghaus im Osten einen neugotischen Zentralbau mit Querhaus und angedeuteter Vierungskuppel an. Der romanische, nach einem Brand (1793) in reduzierter Form wieder aufgebaute Glockenturm konnte erst 1929 aufgestockt und mit einem Spitzhelm angemessen bekrönt werden. Wertvollstes Stück der Kirchenausstattung ist ein romanischer Taufstein aus dem 12. Jh. Er zeigt unter flachbogigen Arkaden einen schwer deutbaren Zyklus, anscheinend über die legendäre Wiederauffindung des Kreuzes Christi im 4. Jh. Zu sehen sind eine weibliche Heiligengestalt (Helena), das Gotteslamm mit Kreuz, ein diagonal gestelltes Kreuz, eine männliche Gestalt mit Judenhut (Judas Cyriakus), wieder ein diagonal gestelltes Kreuz, ein Mann auf einer Bahre (der Tote, der durch die Berührung mit dem wiedergefundenen Kreuz zum Leben erweckt wurde, wodurch sich die Authentizität der Reliquie offenbarte). Außerdem besitzt die Kirche einen romanischen Türklopfer aus Bronze in Löwenkopfform (13. Jh.), Skultpuren aus dem 16. und 18. Jh. und eine Zylindermonstranz in Form eines spätgotischen Sakramentshäuschens. Hinter der Kirche verdient der >Tempel< Aufmerksamkeit, ein Fachwerkhaus von ca. 1575. Das Gebäude, dessen Erscheinungsbild durch ein auskragendes Obergeschoss und Brüstungsfachwerk in Form von Andreaskreuzen geprägt wird, zählt zu den ältesten erhaltenen Wohnhäusern des Ruhrgebiets.

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Das Alte Schiffshebewerk Henrichenburg, Waltrop

Für die östliche Vorstadt Waltrops schuf der Architekt Josef Franke 1932/33 mit der katholischen St. Marien-Kirche ein Gotteshaus im Stil der frühen Moderne. Der Backsteinbau wirkt in seiner kubischen Formgebung nüchtern und karg. Im Innern beeindruckt die harmonisch abgestimmte Farbgestaltung des Kirchenraums. Das expressive Altarkreuz aus Lindenholz ist ein Werk Hans Dinnendahls. Vom selben Künstler stammt die blau gewandete Majolikamadonna am Glockenturm, die den kalauernden Volksmund motivierte, der Kirche den Beinamen > Gasthaus zum blauen Engel< beizulegen.

Die Zeche Waltrop 1/2 südöstlich des Stadtzentrums förderte zwischen 1907 und 1979. Die teilweise erhaltenen Tagesanlagen der ersten Bauphase beeindrucken als qualitätvolles Ensemble von breit gelagerten Hallen, die heute im Rahmen eines Gewerbeparks kommerziell genutzt werden. Die Außenwände weisen ein lebhaftes Widerspiel zwischen dunkelroten Ziegelpartien und weißen Putzflächen auf. Die angrenzende Kolonie entstand seit 1908 als großzügig angelegte Gartenstadt.

Am Westrand des Stadtgebiets mündet der Rhein-Herne-Kanal in den Dortmund-Ems-Kanal ein. In der Nähe des Ortsteils Oberwiese liegt dort der Schleusenpark Waltrop, ein Ensemble von vier parallelen Abstiegsbauwerken zur Überwindung einer 14 m hohen Geländestufe. Von herausragender technikhistorischer Bedeutung ist das Alte Schiffshebewerk Henrichenburg, das älteste dieser Wasserbauwerke. Es wurde 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht und arbeitete mehr als sieben Jahrzehnte lang störungsfrei. Bereits 1914 wurde es allerdings durch eine Schachtschleuse ergänzt, die größere Schiffe aufnehmen konnte. 1962 folgte ein modernes Hebewerk. 1989 wurde die Schachtschleuse durch eine neue, noch leistungsfähigere Schleuse ersetzt. Eine moderne Ausstellungshalle der Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes informiert dort über das Thema >Wasserstraßen und Binnenschifffahrt heute<.

Bei einem Hebewerk handelt es sich um einen gigantischen Fahrstuhl zur Beförderung von Schiffen. Zur Hochführung des wassergefüllten Schiffstrogs nutzt man die Kräfte des natürlichen Auftriebs aus: Unter dem Trog des Alten Schiffshebewerks Henrichenburg sind mittig fünf Hohlzylinder angebracht, die in tiefen, ausgemauerten Brunnenschächten schwimmen. Sobald der Trog um eine auch nur geringfügige Wassermenge erleichtert wurde, ließ das Gesetz des Auftriebs die fünf Schwimmer und mit ihnen die gesamte Konstruktion langsam nach oben steigen. Ein Wiederauffüllen erzeugte die entgegensetzte Bewegung. Ein Elektromotor von nur 150 PS reichte aus, um die Trägheitsmomente und Reibungskräfte zu überwinden und den Hebe- bzw. Senkvorgang auszulösen. Der Trog wurde mit Hilfe von vier Schraubenspindeln in 29 m hohen Stahlfachwerkgerüsten geführt. Vorn und hinten wurde er durch Hubtore verriegelt. Nach der Stilllegung des Bauwerks im Jahr 1970 verrottete der Mechanismus mehr und mehr, und die Anlage verfiel. Auch im Rahmen der denkmalpflegerischen Restaurierung durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe war es in den 1980er-Jahren nicht mehr möglich, das Hebewerk wieder gangbar zu machen.

Schließlich wurde das Alte Schiffhebewerk 1992 als Standort des Westfälischen Industriemuseums der Öffentlichkeit übergeben. Im historischen Pumpen- und Maschinenhaus informiert nun eine facettenreiche Ausstellung über den Bau und Betrieb von Hebewerk und Kanal, über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Binnenschiffern sowie über Freizeitkultur am Kanal. Im unteren Vorhafen wird auf dem Motorgüterschiff >Franz Christian< das Arbeitsleben der langjährigen Eignerfamilie mit Hilfe von zahlreichen Dokumenten nachgezeichnet. Im Oberwasser, das 1999 wieder geflutet wurde, liegen weitere historische Binnenschiffe (darunter zwei funktionsfähige Schleppdampfer) sowie schwimmende Arbeitsgeräte (darunter ein Eimerketten-Dampfbagger).

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Datteln

Der Ort fand in drei päpstlichen Bullen von 1147, 1161 und 1207 erstmals Erwähnung, wo jeweils die Kirche in Datilo bzw. Datlen als Besitz der Deutzer Benediktinerabtei bestätigt wurde. Seit dem 13. Jh. tauchen sechs landtagsfähige Rittergüter der Region in den Geschichtsquellen auf. Vom 16. bis ins 18. Jh. – namentlich während des Dreißigjährigen Kriegs – hatte Datteln mehrfach durch Einquartierung, Plünderung und Brandschatzung zu leiden. In dem Dorf lebten 1900 nur 1521 Menschen, in den umliegenden Ortschaften, die heute zum Stadtgebiet gehören, weitere 2385. Der wirtschaftliche Aufschwung kam mit Beginn der Kohleförderung (1906) und der Anlage des größten europäischen Kanalkreuzes bei Datteln, wo Dortmund-Ems-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal und Datteln-Hamm-Kanal Zusammentreffen. Der 1936 zur Stadt erhobene Ort hat heute ungefähr 36 000 Einwohner.

St-Amandus-Kirche, Datteln

St-Amandus-Kirche, Datteln

Die katholische Hauptkirche St. Amandus liegt im Osten der Innenstadt, wo auch noch mehrere Fachwerkhäuser aus vorindustrieller Zeit erhalten geblieben sind. Die 1911/12 im neugotischen Stil beträchtlich erweiterte ehemalige Dorfkirche erlitt im Zweiten Weltkrieg schwerste Zerstörungen. Der 1947-50 errichtete Neubau integriert von einem romanischen Vorgängerbau noch den Glockenturm, vom spätgotischen Vorgängerbau Hendryk de Suyrs die Umfassungsmauern der Apsis. Unter den älteren Kunstwerken des Gotteshauses verdient vor allem das >Amanduskreuz< Beachtung (wohl 12. Jh., Fassung neu). Die Skulptur aus Eichenholz zeigt Christus nicht als Gemarterten, sondern als Triumphator über den Tod. Er ist mit römischer Tunika und Schnallenschuhen bekleidet. Die Kirche besitzt außerdem noch ein Sakramentshaus von ca. 1520, Apostelfiguren aus dem 14.-16. Jh. und ein Standbild des Pfarrpatrons aus dem 18. Jh. Reliefs mit der Flucht nach Ägypten, der Kreuzigung und der Beweinung Christi sind Relikte von spätgotischen Schnitzaltären.

Die Protestanten – bis ins 20. Jh. hinein in Datteln in einer Diasporasituation – demonstrierten 1928 ihr gewachsenes Selbstbewusstsein mit dem Bau der Lutherkirche an der gleichnamigen Straße. Die streng kubische Formgebung und die rustikale Werksteinverblendung lassen bei diesem expressionistischen Sakralbau an eine Trutzburg denken. An der Eingangsfront steht Martin Luther als steinernes Standbild in der Pose des Bekenners.

Das Hermann Grochtman-Museum, das in einem westfälischen Hallenhaus von 1809 an der Genthiner Straße untergebracht ist, dokumentiert vornehmlich die Dattelner Stadtgeschichte. Dabei kommt auch das Industriezeitalter in den Blick – mit Aspekten wie Kokerei-Chemie, bergbaulicher Gesundheitsfürsorge, Integration fremdsprachiger Zuwanderer, Alltagsleben der Bergmannsfrau … Das wichtigste Dattelner Industrieareal liegt südlich der Innenstadt. Wenn auch die Tagesanlagen der Krupp-Zeche und Kokerei Emscher-Lippe inzwischen weitgehend abgetragen wurden, blieb doch die Werkssiedlung Beisenkamp bis heute erhalten. Sie entstand 1907-12 nach einem Planentwurf von Robert Schmohl. Zur verkehrsreichen Castroper Straße hin schirmt ein Riegel von Beamtenhäusern die idyllische Gartenstadt wohltuend ab. Tief heruntergezogene Satteldächer, Schaugiebel mit gelegentlichen Bretterverschalungen oder Fachwerkdekor, Holztüren und hölzerne Fensterläden zitieren die >malerische< Lebenswelt vorindustrieller Epochen. Nach vollzogener Privatisierung der Kolonie wurden einzelne Häuser individualistisch renoviert, sodass der geschlossen-harmonische Gesamteindruck inzwischen beeinträchtigt ist.

Von den übrigen Ortskernen des Dattelner Stadtgebiets verdienen vor allem Horneburg und Ahsen Beachtung. Haus Horneburg hatte bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich, als der französische Marschall Turenne 1646 die Wasserburg niederbrennen ließ. Danach wurde lediglich die Vorburg wieder errichtet, allerdings in großzügiger Dimension und repräsentativer Ausführung. 1830 wurde sie in Teilen abgetragen und in reduzierter Form wieder aufgebaut – als lang gestrecktes Gebäude, das von zwei Rundtürmen flankiert wird. Die mittelalterliche Schlosskapelle wurde im 16./17. Jh. erneuert und vereinigt spätgotische und barocke Stilelemente. Ihre Barockaustattung blieb teilweise erhalten. Um 1990 wurde der Kirchenraum für die Gottesdienste einer russischen Gemeinde mit einer Ikonostase ausgestattet. Die >Freiheit< Horneburg wird durch Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jh. geprägt.

Von Haus Vogelsang in Datteln-A/zse« existiert nur noch die Vorburg, ein Barockbau aus dem 18. Jh. Die katholische Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung entstand in heutiger Form 1723-26 nach einem Entwurf von Johann Conrad Schlaun. Der schlichte barocke Kirchensaal wurde 1929 beträchtlich erweitert. Neben Resten der Originalausstattung birgt das Gotteshaus ein spätgotisches Kruzifix aus dem 13./14. Jh.

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Marl 2

Ein weiteres modernes Bauensemble liegt ca. einen Kilometer südwestlich der Klinik: An der Westfalenstraße in Marl-Drewer entstand 1964-70 eine Hauptschule in Pavillonbauweise nach einem Entwurf von Hans Scharoun. Für jede Klasse wurde eine eigene >Schulwohnung< mit Klassenraum, Terrasse und Garderobe errichtet. Die Aula im Zentrum der Anlage wird wegen ihrer guten Akustik gerne als Konzertsaal genutzt. Für den Stadtteil Brassert schuf der Architekt Otto Bartning 1956/57 die letzte Kirche in der langen Reihe seiner Sakralbauten: Die evangelische Erlöserkirche an der Schachtstraße überzeugt in ihrer Schlichtheit. In Marl-Polsum steht von der mittelalterlichen Dorfkirche noch der Glockenturm. Der heutige, moderne Kirchenraum birgt einen pokalförmigen Renaissance-Taufstein von 1627. In der St. Marien-Kirche von Marl-Lenkerbeck erinnert ein Denkmal an die Opfer eines Grubenunglücks von 1927. Zentrale Gestalt ist der hl. Josef, der Patron der Arbeiter. Links beten eine Mutter und ihr Kind, rechts arbeitet ein Hauer vor Ort.

Die erste Marler Zeche wurde nach der Gemahlin Wilhelms II. Auguste Victoria getauft. Ein lebensgroßes Standbild der Kaiserin steht auf dem Gelände der Schachtanlage 1/2 in Marl-HwZs (Carl Begas, 1905). Noch in den frühen 1980er-Jahren gestaltete man das moderne Fördergerüst über Schacht 8 in Form eines >A< (Nähe Wesel-Datteln-Kanal). Zechenhäuser von Auguste Victoria aus den Jahren zwischen 1909 und 1912 überzeugen seit der letzten Renovierung durch die subtile Farbabstimmung des Fassadenanstrichs (Carl- Duisberg-Straße, Triftstraße, Römerstraße etc.). Weitere Kolonieviertel wurden im Westen von Marl durch die Zeche Brassert geschaffen (Brassertstraße, Rudolf-Virchow-Straße, Im Beisen).

Die Chemischen Werke Hüls GmbH wurden 1938 in Marl gegründet. Zentrales Produkt war hier zunächst der synthetische Kautschuk Buna. Da dieser Werkstoff als kriegswichtig eingestuft wurde, brachten alliierte Bombenangriffe bereits 1943 die Produktion annähernd zum Erliegen. In den Wirtschaftswunderjahren entwickelte sich das Werk dann unter der Federführung der VEBA zu einem Weltunternehmen. Als >Chemiepark Marl< ist es heute in die Route der Industriekultur integriert. Das touristische Angebot umfasst eine Ausstellung und regelmäßige Werksführungen (mitsamt Panoramablick vom Dachgeschoss eines Hochhauses aus).

Oer-Erkenschwick

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Rathaus, Oer-Erkenschwick

1926 wurden Oer und Erkenschwick sowie einige umliegende Bauerschaften zu einer Großgemeinde zuammengelegt, die 1953 Stadtrechte erhielt. Oer verdankt seine Entstehung einem Reichshof, der wahrscheinlich von Karl dem Großen gegründet wurde und für 1166 urkundlich bezeugt ist. Für 1278 wird eine Pfarrkirche erwähnt. Die Herren von Oer waren jahrhundertelang in Besitzstreitigkeiten mit Erzbischof und Domkapitel von Köln verwickelt. Dorf und Kirche brannten 1676 vollständig nieder. 1820 lebten 795 Menschen in Oer. Zwei Höfe in Erkeneswik werden erstmals um 1150 in einem Einkünfteverzeichnis der Abtei Werden genannt. In dieser Ortschaft gab es 1821 erst 207 Einwohner sowie 29 Pferde, 54 Kühe, 20 Schweine und 250 Schafe. 1899 begann man bei Erkenschwick mit der Abteufung der ersten Schächte für die Zeche Ewald-Fortsetzung (später: Bergwerk Haard). Nun wuchs die Einwohnerzahl rapide an. Binnen kurzem entstanden ausgedehnte Arbeiterkolonien. In Oer-Erkenschwick lebten bereits 1926 mehr als 15 000 Menschen, gegenwärtig mehr als 30 000.

Der Turm der katholischen Pfarrkirche in Oer stammt im Kern noch aus dem Mittelalter. Das Gotteshaus birgt eine spätgotische Madonnenstatue niederrheinischer Herkunft. Die 1929 eingeweihte Christus-König-Kirche in Klein-Erkenschwick wurde nach einem Planentwurf des Architekten Josef Franke errichtet. Die verputzten Außenmauern des klar gegliederten Sakralbaus werden durch Akzente aus grünlichem Sandstein belebt. Der markante Glockenturm ist – auf halbkreisförmig abschließendem Grundriss – seitlich an einen Querhausarm angefügt. Über dem Doppelportal der Eingangsfassade beeindrucken die expressionistischen Steinfiguren der vier Evangelisten. Auch im Kircheninnern blieben bemerkenswerte Skulpturen der Frühmoderne erhalten, darunter eine Pieta aus Holz (Franz Guntermann) und eine Madonna mit Kind aus glasierter Keramik, ein Werk von strenger Schönheit (Hans Dinnendahl).

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